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Der Krankenschein per WhatsApp

05. Februar 2019

Der Krankenschein per WhatsApp

Wann muss die Krankschreibung vorliegen?

Nahezu jeder Arbeitnehmer kennt das Problem: Man steht morgens auf und die ersten Erkältungssymptome lähmen einen. In der Regel kein Problem, denn gemäß § 5 Entgeltfortzahlungsgesetz muss eine Krankschreibung spätestens nach drei Tagen vorgelegt werden. Also kurz mal zwei Tage zuhause bleiben und alles ist wieder OK, am dritten Tag geht es dann wieder zur Arbeit. Doch der Arbeitgeber kann im Einzelfall kürzere Fristen, also sogar die sofortige Vorlage schon am ersten Tag anweisen. Dies kann auch im Arbeitsvertrag geregelt werden. Wer unter einer solchen verkürzten Frist „leidet“ und sich ungerne in überfüllte und mit Viren verseuchte Wartezimmer begibt, für den naht Hoffnung. 

Neuer Service per WhatsApp

Ab sofort gibt es den Krankenschein jetzt per WhatsApp. Der Internetdienst „AU-Schein.de“ verspricht dies zumindest. Man wähle auf der entsprechenden Website zwischen einer Handvoll angezeigter Symptome, bezahle eine Gebühr von neun Euro mit PayPal, Kreditkarte oder Überweisung und sende die Zusammenfassung per WhatsApp an einen Arzt. Wer das morgens tut, soll „in der Regel“ am Abend eine Kopie einer offiziellen Krankschreibung erhalten – ebenfalls per WhatsApp. Das Original folgt wenige Tage später per Briefpost.

Auf der Webseite klicke ich ein paar gängige Symptome an, beantworte Fragen nach Schwangerschaft oder Schüttelfrost und dann kann ich noch wählen, ob ich einen, zwei oder fünf Tage krankgeschrieben werden möchte. Und schon nimmt die Sache ihren Lauf.

Rechtliche Situation noch offen

Die Frage ist nur, ob das Ganze rechtlich haltbar ist. Dabei hilft uns § 4 der Arbeitsunfähigkeits-Richtlinie des Bundesausschusses der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen. Danach darf die Feststellung der Arbeitsunfähigkeit nur aufgrund einer ärztlichen Untersuchung erfolgen. Diese ist zwar prinzipiell nach Lockerung des Fernbehandlungsverbotes auch ohne physischen Arztbesuch möglich, allerdings ist fraglich, ob das einfache Anklicken von Symptomen auf einer Website hierzu ausreicht. Der Betreiber der Internetseite vertritt hier die Auffassung, dass diese Richtlinie nur für Kassenärzte gilt, das Attest in diesem Fall aber privatärztlich ausgestellt werde.

Letztlich bleibt abzuwarten, wann Arbeitgeber zum ersten Mal gegen diese AU-Bescheinigungen vorgehen und die Arbeitsgerichte bemühen, respektive wann der erste Arbeitnehmer sich gegen eine Abmahnung wegen fehlerhafter Krankmeldung vor dem Arbeitsgericht wehrt. Und wenn wir das dann noch bis zum Bundesarbeitsgericht tragen, haben wir darüber Gewissheit, ob dieses Vorgehen überhaupt zulässig ist.

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