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Klausurtagung des Betriebsrats

07. Oktober 2019

Interview mit Michael Guder, Mediator und Betriebsratscoach bei der aas
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aas-Betriebsratscoach Michael Guder

Die aas hat in den letzten Jahren viele Betriebsräte bei Klausurtagungen begleitet. Worum geht es eigentlich bei einer Klausurtagung?

Michael Guder: Am häufigsten treffen sich Betriebsräte zu Klausurtagungen, um die Arbeit des Gremiums langfristig strategisch auszurichten, Aufgaben und Projekte des Betriebsrats festzulegen und zu priorisieren. Dabei geht es dann häufig auch um die konkrete Aufgabenverteilung im Gremium. Somit kommen Betriebsräte vom Reagieren ins Agieren und sind nicht die Getriebenen ihres Tagesgeschäfts. Denn eines haben Betriebsräte nicht: Zeit. Damit sich die Teilnehmer voll und ganz auf die Inhalte der Tagung Konzentrieren können, sollten sie sich am besten außerhalb des Betriebs zurückziehen.

Welche Rolle spielt die aas bei solchen Klausurtagungen? 

Michael Guder: Eine gute Klausurtagung bedarf eines professionellen Moderators! Nur so können sich die Teilnehmer auf die Inhalte konzentrieren. Die Moderatoren der aas sind wie ich erfahrene und kompetente Praktiker, die Denkanstöße geben und helfen können, eingefahrene Arbeitsweisen zu überdenken. Ein unabhängiger Blick kann da sehr hilfreich sein!

Gibt es einen Turnus für Klausurtagungen oder gilt hier
„einmal und nie wieder“?

Michael Guder:  Wir empfehlen Betriebsräten, möglichst einmal im Jahr eine Klausurtagung durchzuführen. Dann kann der Betriebsrat eigene Schwerpunkte für die Arbeit setzen und gemeinsame Ziele festlegen. Hier können dann auch die jeweiligen Schritte für die Zielerreichung mit entsprechenden Verantwortlichkeiten festgelegt werden. Daneben hat eine Klausurtagung für den Betriebsrat auch den Vorteil, dass sich alle Mitglieder auf den gleichen Wissenstand bringen. Im betrieblichen Alltag ist es doch häufig so, dass einige Betriebsratsmitglieder nur zeitweise in bestimmte Themen eingebunden sind und auf den Sitzungen viele Themen nicht ausführlich behandelt werden können.

„Ein Renner sind Vereinbarungen einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat.“

Du hast jetzt insbesondere die Klausurtagung zur „strategischen Ausrichtung“ des Betriebsrats genannt. Die aas begleitet Klausurtagungen aber noch zu einer Vielzahl weiterer Themen. Welche sind das insbesondere?

Michael Guder: Ein weiteres großes Thema von Klausurtagungen ist das Thema „Konflikt“, also Konflikte im Betriebsratsgremium untereinander oder aber Konflikte mit dem Arbeitgeber. 

Worum geht es bei solchen Klausurtagungen, kannst Du da wirklich unterstützen?

Michael Guder:  Immer wieder taucht in der Praxis das Problem auf, dass Betriebsratsmitglieder untereinander total „verhakt“ sind. Da geht dann mitunter nichts mehr. In einer solchen Situation geht es häufig ohne professionellen Coach überhaupt nicht mehr weiter. Außerhalb des Tagesgeschäfts lassen sich Unstimmigkeiten und Konflikte mithilfe externer Moderatoren vielfach leichter und lösungsorientierter bearbeiten. Insofern bieten Klausurtagungen auch die Möglichkeit, eine konstruktive Konfliktkultur im Betriebsrat zu entwickeln. Bei den von uns begleiteten Klausurtagungen konnten wir hier mit den Betriebsräten super Ergebnisse erzielen.

„Die Moderatoren der aas sind erfahrene und kompetente Praktiker, die Denkanstöße geben.“

Und bei Konflikten mit dem Arbeitgeber?

Michael Guder:  Auch bei Konflikten zwischen Betriebsrat und Arbeitgeber ist es häufig so, dass beide Seiten einfach völlig aneinander vorbei arbeiten und denken. Dann sitzt man wegen jeder Kleinigkeit vor dem Arbeitsgericht und nichts geht mehr. Hier haben wir in den letzten Jahren auf Klausurtagungen, die (einen Teil der Zeit) gemeinsam mit dem Arbeitgeber durchgeführt wurden, erstaunliche Ergebnisse erzielen können. Gewissermaßen „ein Renner“ sind Vereinbarungen einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat. Da konnten wir bei vielen tollen Lösungen behilflich sein.

Und nun zur letzten Frage: Wie sieht es mit der Kostentragung durch den Arbeitgeber aus?

Michael Guder:  Zunächst einmal tun sich viel Arbeitgeber nicht schwer, die Kosten für eine Klausurtagung zu tragen. Sie erkennen selbst den Mehrwert einer solchen Veranstaltung. Ansonsten kann man auf zwei Gerichtsentscheidungen verweisen. 

Einmal hat das LAG Hessen entschieden, dass in Ausnahmefällen die Zuhilfenahme externer Hilfe nötig und deren Kostentragung dem Arbeitgeber zumutbar sein kann, etwa wenn die Situation im Gremium festgefahren ist (LAG Hessen, Beschluss vom 11.06.2012 – 16 TaBV 237/11). In dem Fall hatte im Betriebsrat ein Klima des Misstrauens geherrscht und die ständigen Querelen und Probleme hatten zur Folge, dass das Gremium selbst feststellte, dass ein Arbeiten unter solchen Bedingungen nicht mehr möglich war. Hier hielt das Gericht die Hinzuziehung einer Moderatorin für ein Klausurtagung von drei Tagen für erforderlich. 

In einem anderen Verfahren hat das LAG Hessen eine Klausurtagung für einen Betriebsrat für erforderlich gehalten, bei der die interne Situation so verfahren war, dass interne Wahlen des Betriebsrats überhaupt nicht mehr möglich waren (vgl. LAG Hessen, Beschluss vom 19.05.2011 – 9 TaBV 196/10).

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