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Das Leben ist kein Ponyhof

17. April 2019

Das Leben ist kein Ponyhof

Im vorliegenden Fall verlangte die Klägerin, hier eine Praktikantin auf einer Reitanlage, eine Entlohnung in Höhe des gesetzlichen Mindestlohns (damals 8,50 €/Stunde) von insgesamt 5.491,00 €. Grundsätzlich haben auch Praktikanten einen Anspruch auf den gesetzlichen Mindestlohn. Eine Ausnahme besteht aber dann, wenn das Praktikum zur Orientierung für eine Berufsausbildung dient und nicht länger als drei Monate dauert.

Die Klägerin vereinbarte mit der Betreiberin der Reitanlage ein 3monatiges Praktikum, um festzustellen, ob ihr diese Arbeit liegt. Eine Vergütung für das Praktikum war nicht vereinbart. Das Praktikum begann am 06.10.2015 und endete am 25.01.2016. Die Klägerin putzte und sattelte die Pferde, stellte sie auf ein Laufband, brachte sie zur Weide und holte sie wieder ab, fütterte sie und half bei der Stallarbeit. Nach ihrer eigenen Angabe arbeitete die Klägerin bis zehn Stunden pro Tag in einer Sechs-Tage-Woche. Nach Absprache mit der Betreiberin der Reitanlage, also der Beklagten, gab es kürzere Unterbrechungen des Praktikums. Vom 03. bis 06.11.2015 war die Klägerin arbeitsunfähig krank. Ab dem 20.12.2015 trat sie über die Weihnachtsfeiertage einen Familienurlaub an und kehrte am 12.01.2016 in das Praktikum bei der Beklagten zurück, um in der Zwischenzeit auf anderen Pferdehöfen „Schnuppertage“ verbringen zu können. 

Die Entscheidung des BAG

Das Bundesarbeitsgericht entschied am 30.01.2019 unter dem Aktenzeichen 5 AZR 556/17, dass ein Praktikum rechtlich oder tatsächlich unterbrochen werden kann. Liegen die Gründe für die Unterbrechung in der Person der Praktikantin/des Praktikanten, etwa Krankheit oder ein Urlaub, werden diese Zeiten nicht auf das Praktikum angerechnet, wenn die einzelnen Abschnitte sachlich und zeitlich zusammenhängen. Und so lag der Fall eben hier: Das Praktikum wurde auf Wunsch der Klägerin einmal wegen eines Familienurlaubs unterbrochen und einmal wegen einer kurzen Arbeitsunfähigkeit. Dies reicht nach Ansicht des BAG aus, um den Anspruch auf den Mindestlohn von damals 8,50 € die Stunde zu verneinen.

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