Die Menopause ist für viele Frauen eine herausfordernde Zeit, oft mitten im Berufsleben. Doch gehört es auch zum betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM), die Arbeitsbedingungen für Frauen in den Wechseljahren aktiv zu verbessern? Immerhin Studien zeigen, dass etwa 40 Mio. Fehltage pro Jahr auf unbehandelte menopausale Symptome zurückzuführen sind. Ob es sich lohnt, die Frauengesundheit im Betrieb zu fördern, welche Maßnahmen möglich sind und was der Fachkräftemangel mit dem Ganzen zu tun hat, lesen Sie hier.
Wechseljahre und Arbeitsleben: Menopause als BGM-Thema
Die BARMER stellt in Kooperation mit der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR) den neuen Leitfaden „Menopause@work“ vor. Er erklärt, wie Unternehmen durch wirksame Unterstützungsmaßnahmen die Arbeitsfähigkeit und Expertise dieser wertvollen Fachkräfte langfristig sichern können.
In Deutschland befinden sich laut Statistischem Bundesamt über 11 Millionen Frauen im Alter zwischen 40 und 59 Jahren potenziell in den Wechseljahren. Rund 80 Prozent dieser demografischen Gruppe ist erwerbstätig. Diese Frauen bringen in der Regel jahrelange Berufserfahrung und Fachkenntnisse in der Arbeitswelt mit. Angesichts des akuten Fachkräftemangels gewinnt die langfristige Bindung solcher Arbeitnehmerinnen für Unternehmen an strategischer Bedeutung. Dies gilt vor allem für Branchen mit traditionell hohem Frauenanteil wie dem Bildungs-, Gesundheits- und Pflegesektor sowie dem Dienstleistungsbereich.
Wirtschaftlicher Impact der Menopause
Die Wechseljahre sind schon lange nicht nur ein privates „Problem“ sondern auch ein betriebswirtschaftliches. Auch führt dieses Tabudenken zu erheblichen wirtschaftlichen Konsequenzen: Die deutsche Volkswirtschaft verzeichnet laut einer Berechnung des Forschungsteams der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR) von 2024 jährliche Kosten von 9,4 Milliarden Euro durch wechseljahresbedingte Auswirkungen, verbunden mit fast 40 Millionen Fehltagen. Inzwischen wird international die Frauengesundheit als signifikanten Wirtschaftsfaktor identifiziert. McKinsey (2024) berechnet das wirtschaftliche Potenzial verbesserter Frauengesundheit auf globaler Ebene mit einem Wert einer Billion Dollar. Damit hat sich also die Frage, ob es sich lohnt in diesem Bereich zu agieren und zu investieren, beantwortet.
In drei Schritten zu mehr Frauengesundheit im Job und besserem Umgang mit der Menopause
Der Leitfaden unterstützt in drei Schritten beim gesundheitsfördernden Umgang mit den Wechseljahren im Arbeitsalltag.
1. Schritt: Aufklären
- Ermitteln der Relevanz der Menopause im Unternehmen
- Stärken des Wissens im Unternehmen durch Aufklärung über die Wechseljahre – für mehr Verständnis, Gesundheit und Produktivität im Team
2. Schritt: Sprechen
- Einordnen der Wechseljahre als reguläres Thema im BGM
- Fördern einer offenen Kommunikation hinsichtlich sensibler Themen
- Schaffen eines wertschätzenden Miteinanders
3. Schritt: Handeln
- Entwickeln von effektiven Maßnahmen für den Erhalt des Wohlbefindens und der Leistungsfähigkeit der Mitarbeiterinnen
- Entwickeln von gezielten Maßnahmen, um erfahrene Mitarbeiterinnen zu unterstützen und langfristig zu binden
- Beispiele
- Vorträge und Workshops zur Sensibilisierung
- Vorträge/Workshops zu Ernährung in der Lebensmitte
- Führungskräfteschulung
- Austauschformate etablieren (Menopause-Café)
- Angebote zur Bewegung, Stressmanagement, Entspannung
- Qualitätssicherung und Verankerung im Betrieb
Langfristig denken: Menopause als Teil der BGM-Strategie
Die Menopause ist längst kein reines Privatthema mehr – sie betrifft Millionen berufstätiger Frauen und hat spürbare Auswirkungen auf Unternehmen und Volkswirtschaft. Angesichts des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels können es sich Betriebe nicht leisten, die Bedürfnisse erfahrener Mitarbeiterinnen in den Wechseljahren zu ignorieren. Der Leitfaden Menopause@work zeigt praxisnah, wie Unternehmen mit Aufklärung, offener Kommunikation und gezielten Maßnahmen die Gesundheit und Arbeitsfähigkeit dieser wichtigen Beschäftigtengruppe erhalten und fördern können. Frauengesundheit gehört damit klar auf die Agenda eines modernen, zukunftsfähigen BGM.
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