Hitze wird zum betrieblichen Risikofaktor
Steigende Temperaturen stellen Unternehmen vor neue Herausforderungen. Hitze beeinträchtigt nicht nur Gesundheit und Wohlbefinden der Beschäftigten, sondern wirkt sich zunehmend auch auf Produktivität, Arbeitssicherheit und Wirtschaftlichkeit aus. Mit zunehmender Hitzebelastung sinkt die Leistungsfähigkeit, die Fehlerquote steigt und krankheitsbedingte Ausfälle nehmen zu. Damit gewinnt der betriebliche Hitzeschutz als Bestandteil eines modernen Arbeits- und Gesundheitsschutzes immer mehr an Bedeutung.
Das sagen Studien
Wissenschaftliche Studien zeigen, dass bereits moderate Temperaturanstiege die Konzentration und Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Besonders betroffen sind Beschäftigte im Freien sowie in körperlich belastenden Berufen, beispielsweise in der Bauwirtschaft, Landwirtschaft, Pflege oder Logistik. Doch auch an Büroarbeitsplätzen können hohe Raumtemperaturen die Arbeitsleistung erheblich einschränken.
Nach der Studie „Klimabedingte Risiken für die Arbeitswelt“ im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) kann bereits jedes zusätzliche Grad Celsius zu Produktivitätseinbußen von mehreren Prozentpunkten führen. Der Klimawandel beeinflusst damit unmittelbar die Leistungsfähigkeit von Unternehmen und ihrer Beschäftigten.
Hitze gefährdet Gesundheit und Arbeitssicherheit
Aus arbeitsmedizinischer Sicht stellt Hitze eine ernstzunehmende Gefährdung dar. Sie kann zu Dehydrierung, Erschöpfung, Hitzekrämpfen oder sogar lebensbedrohlichen Hitzschlägen führen. Gleichzeitig verschärft sie bestehende Erkrankungen, insbesondere des Herz-Kreislauf-Systems.
Ergebnisse der DGUV (Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung) Befragung „Klimawandel und Gesundheit in Betrieben“, des DGUV Barometers Arbeitswelt 2026 – Krisenresilienz sowie der Politikwerkstatt „Klima wandelt Arbeit“ des BMAS zeigen übereinstimmend: Viele Unternehmen erkennen die Risiken durch Hitze, haben diese jedoch bislang noch nicht systematisch in ihre Gefährdungsbeurteilungen integriert.
Dr. Stephan Fasshauer, Hauptgeschäftsführer der DGUV, bringt es auf den Punkt: „Hitzeschutz ist kein Nice-to-have, sondern ein zentraler Bestandteil moderner Präventionspolitik und ein Schlüssel zur Stärkung der Resilienz von Unternehmen und Beschäftigten.“
Welche Faktoren erhöhen das Unfallrisiko?
Im DGUV Barometer Arbeitswelt 2026 nannten Beschäftigte folgende Faktoren, die das Unfallrisiko an ihrem Arbeitsplatz erhöhen:
- 45 %: Hohe Arbeitsbelastung und Zeitdruck
- 28 %: Unzureichende Information und Kommunikation
- 27 %: Überstunden aufgrund von Personalmangel
- 22 %: Schlechtes Betriebsklima und Konflikte mit Kolleginnen und Kollegen
- 19 %: Fehlende Erholungszeiten oder Pausen
- 15 %: Mangelhafte Schulung oder Unterweisung
- 13 %: Verständigungsschwierigkeiten
- 10 %: Technische Mängel an Maschinen oder Arbeitsgeräten
Darüber hinaus sehen 7 % der Beschäftigten Extremwetterereignisse als zusätzliches Unfallrisiko. Besonders betroffen sind Beschäftigte in den Branchen Bau und Verkehr.
Hitzeschutz ist Arbeitsschutz
Arbeitgebende sind laut Arbeitsschutzgesetz verpflichtet, Gefährdungen am Arbeitsplatz zu beurteilen und geeignete Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Hitzeschutz sollte dabei stets gemeinsam mit dem UV-Schutz betrachtet werden.
Berufsgenossenschaften und Unfallkassen empfehlen, Hitze als eigenständigen Risikofaktor in die Gefährdungsbeurteilung aufzunehmen – sowohl für Innen- als auch für Außenarbeitsplätze. Auf dieser Grundlage werden geeignete Maßnahmen nach dem TOP-Prinzip entwickelt:
- Technische Maßnahmen, beispielsweise Sonnenschutz, Verschattung oder Lüftung.
- Organisatorische Maßnahmen, etwa angepasste Arbeitszeiten, zusätzliche Trink- und Erholungspausen oder Verlagerung körperlich belastender Tätigkeiten.
- Persönliche Schutzmaßnahmen, beispielsweise geeignete Schutzkleidung, Kopfbedeckungen und ausreichende Flüssigkeitsversorgung.
Darauf aufbauend empfiehlt das BMAS die Einführung eines betrieblichen Hitzeschutzplans, der Verantwortlichkeiten, Abläufe und konkrete Maßnahmen verbindlich festlegt.
In sechs Schritten zum Hitzeschutzplan
Ein wirksamer Hitzeschutzplan umfasst insbesondere folgende Schritte:
- Relevante Personen identifizieren und für Hitzeschutz sensibilisieren
- Arbeitsbereiche und Tätigkeiten systematisch erfassen
- Hitze- und UV-Belastungen beurteilen
- Geeignete Schutzmaßnahmen festlegen und umsetzen
- Maßnahmen verständlich kommunizieren
- Wirksamkeit regelmäßig überprüfen und kontinuierlich verbessern
Fazit
Extreme Hitze ist längst kein Ausnahmeereignis mehr, sondern eine zunehmende Herausforderung für Unternehmen. Ein wirksamer Hitzeschutz schützt nicht nur die Gesundheit der Beschäftigten, sondern reduziert auch Unfallrisiken, stärkt die betriebliche Resilienz und sichert die Leistungsfähigkeit des Unternehmens. Wer Hitze frühzeitig in die Gefährdungsbeurteilung integriert und einen systematischen Hitzeschutzplan etabliert, schafft die Grundlage für sicheres und gesundes Arbeiten – auch bei steigenden Temperaturen.
Quelle: DGUV, Kompakt (Nachrichten der DGUV) 4/2026